Ich gehe durchs Haus, müssig, aber mit dunkelblauem Herzen und einem Durcheinander im Bauch, ich weiss nicht, wieso. Ich weiss nicht, was ich will. In der Küche mache ich den Kühlschrank auf und wieder zu. Ich blättere in der Zeitung und lese einen Artikel über die erste Professorin der Uni Bern. Anna Tumarkin. Ich habe noch nie von ihr gehört und keine Ahnung, wieso ich genau diesen Artikel lese, wenn ich so viele andere nicht lese.
Ich setze mich an den Laptop und gebe ihren Namen im Suchfenster. Sie war Russin, sie hat Philosophie studiert und es geschafft, an der Uni Karriere zu machen, als das für Frauen überhaupt nicht vorgesehen war. So stand es auch in der Zeitung. Ich scrolle zurück zum Anfang und schaue auf die Uhr. Planlos betrachte ich den Text, der unverändert vor mir auf dem Bildschirm steht, und fange wieder an zu lesen. «Nach Ida Welt aus Genf und Emilie Kempin-Spyri aus Zürich war Anna Tumarkin die dritte Frau in der Schweiz, die habilitierte.»
Natürlich kenne ich Emilie Kempin-Spyri aus Zürich. Auch wenn ich nicht viel an sie gedacht habe, seit ich damals die «Wachsflügelfrau» gelesen habe. Es muss in den 1990er-Jahren gewesen sein. Alle haben den Roman damals gelesen. Die erste Schweizer Juristin. Aber Ida Welt aus Genf ist mir neu. Was für ein Name. Vergeblich halte ich den Cursor auf ihren Namen am Bildschirm. Da ist nichts. Kein Link ist hinterlegt. Nur ihr Name, kurz und knapp. Ida. Welt.
Und ich weiss: Über sie will ich mehr wissen. Ich werde alles über sie wissen wollen. Ganz unerwartet habe ich mein Hellblau gefunden.
Text: Corinne Ammann. 2025
Stoff für einen Roman, versuchter Anfang.
Stoff für einen Roman, versuchter Anfang.
Foto: Julia Foster. 2025.